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 Presse-Stellungnahme der Kreisvorstände Bündnis 90/Die Grünen Coburg Stadt und Land

Laut gesetzlicher Regelung soll etwa alle 100 km eine Tank- und Rastanlage direkt an der Autobahn liegen, um LKW-Fahrer*innen die Möglichkeit zum Tanken und Pausieren zu geben. Dazu soll nun – ca. 20 Jahre nach Bau der Autobahn und nach Festlegung, dass an dieser Stelle eine Tank- und Rastanlage benötigt wird – in einem Planfeststellungsverfahren überprüft werden, ob ein bereits im Besitz der zukünftigen Betreibergesellschaft befindliches Grundstück bei Drossenhausen für eine neu zu errichtende Tank- und Rastanlage geeignet wäre.

Wir Grünen sind der Meinung, dass diese Tank- und Rastanlage aus mehreren Gründen an dieser Stelle unnötig und nicht rentabel ist.

Dies liegt zunächst daran, dass das Verkehrsaufkommen sich nicht - wie in der Bauphase prognostiziert - entwickelt hat. Anstatt der erwarteten LKWs nutzen die Strecke 20 Jahre nach Eröffnung der Autobahn überwiegend Pendelnde aus der Region, um an ihre Arbeitsstelle zu kommen – und diese Zahl ist ebenfalls rückläufig, wie den Zahlen der Bayrischen Straßenverkehrszählung vom Jahr 2020 zu entnehmen ist. Diese überwiegend regionalen PKW-Fahrer*innen würden eine Tank- und Rastanlage aufgrund der Kürze der zurückzulegenden Strecke nicht benötigen und daher nicht nutzen. Insgesamt basiert die Planung der Raststätte auf nicht zutreffenden Zahlen und es ist folglich aufgrund des von den ursprünglichen Berechnungen abweichenden Nutzungsverhaltens nicht zu erwarten, dass der Betrieb einer neuen Tank- und Rastanlage im Gemeindegebiet Meeder rentabel gestaltet werden kann.

Ein Neubau würde außerdem eine bislang weitgehend natürliche Fläche von über 10 Hektar komplett versiegeln – mit potentiell negativen Auswirkungen für die umliegende Gemeinde, wie die Arbeitsgemeinschaft Lebendige Itz in einem Gutachten festgestellt hat: Im Falle eines Starkregenereignisses könnten große Mengen Regenwassers über den Oertelgraben nach Oberlauter gelangen, dort Sturzfluten auslösen und die Wasserentsorgung damit überfordern. Dass Starkregenereignisse sich aufgrund des Klimawandels häufen und diese überall eintreten können, muss man nach der Flutkatastrophe im Ahrtal nicht mehr extra betonen. Außerdem wird in demselben Gutachten auf eine Verschlechterung der Wasserqualität der Itz im Fall eines Starkregenereignisses durch den Eintrag von Tausalzen und Schadstoffen wie Kadmium, Blei, Ammonium, Ortho-Phosphat, Kupfer und Zink hingewiesen. Da die Itz im betroffenen Gebiet geschützte Geotope aufweist, ist dieser Vorgang nach den Richtlinien des Naturschutzes nicht akzeptabel. Des Weiteren hat sich Bayern unter der Regierung von CSU und FW das Ziel gesetzt, die Flächenversiegelung in Bayern auf unter 5ha pro Tag zu verringern. Der Bau einer ökologisch bedenklichen und verkehrspolitisch nicht nötigen Tank- und Rastanlage passt nicht in ein Baukonzept, das diese gesetzten Ziele erreichen möchte.

Vor allem, weil diese zusätzliche Versiegelung mit ihren negativen Konsequenzen für die Umwelt und die angrenzenden Gebiete sehr einfach und vergleichsweise kostengünstig vermieden werden könnte, denn es gibt in unmittelbarer Nähe der geplanten Tank- und Rastanlage bereits einen etablierten Parkplatz mit Tankstelle und Restauration: Beim Waldgasthof Hubertushof nahe der Ausfahrt Eisfeld Süd, der in weniger als 10 km von Drossenhausen aus erreichbar ist, existiert bereits eine Anlage, die die gewünschte Rast- und Tankmöglichkeit bietet und auf der sich lokale Unternehmen angesiedelt haben. Diese könnte leicht weiter ausgebaut werden und würde davon sicher profitieren. Weitere Rastplätze mit Toilette liegen in unmittelbarer Nähe direkt an der Autobahn und ergänzen das Angebot. Eine weitere Flächenversiegelung in unmittelbarer Umgebung der vorhandenen Rastmöglichkeiten ist daher aus unserer Sicht nicht nötig, da LKW-Fahrer*innen genügend attraktive Alternativen zur Verfügung stehen.